Was ist Open Banking — und ist es sicher?

Das Gesetz dahinter, die Rollen von Bank und App, starke Authentifizierung und die 90-Tage-Zustimmung — ohne Fachjargon.

Open Banking ist dein Recht, deiner Bank zu sagen: Gib die Daten meines Girokontos an die App weiter, die ich mir ausgesucht habe. Kein Produkt, das sich Banken ausgedacht haben, und kein Gefallen, den sie dir tun — eine gesetzliche Pflicht aus der europäischen PSD2-Richtlinie, in Deutschland umgesetzt im Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz und beaufsichtigt von der BaFin. Die Daten deines Kontos gehören dir. Das Gesetz spricht es nur aus.

Kurz gefasst — 6 Fakten über Open Banking in Deutschland

  1. Grundlage ist die Richtlinie (EU) 2015/2366 (PSD2) vom 25. November 2015.
  2. In Deutschland umgesetzt im Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) vom 17. Juli 2017, in Kraft seit dem 13. Januar 2018.
  3. Die Aufsicht führen die BaFin und die Deutsche Bundesbank; das europäische Register führt die EBA.
  4. Verbinden verlangt starke Kundenauthentifizierung (SCA) — zwei Faktoren, immer bei deiner eigenen Bank.
  5. Deine Zustimmung wird regelmäßig neu bestätigt, in der Praxis alle 90 Tage, und ist jederzeit widerrufbar.
  6. Screen Scraping — deine Zugangsdaten an Dritte geben — wurde durch eigene Bankschnittstellen ersetzt.

Das Wichtigste

  • Open Banking ist keine Banktechnologie, sondern dein Recht an deinem eigenen Konto, festgeschrieben im europäischen Recht
  • Deine Bank muss die Daten herausgeben, wenn du es willst — und nur dann
  • Eine App mit Lesezugriff sieht Salden und Umsätze. Nicht deine PIN, und Geld überweisen kann sie nicht.
  • Die Zustimmung wird in der Praxis alle 90 Tage erneuert, weil die europäischen Standards das verlangen
  • Was es bringt: mehrere Banken auf einem Bildschirm, Ausgaben, die sich selbst sortieren, kein Abtippen mehr

Was ist Open Banking genau?

Open Banking ist der rechtliche und technische Rahmen, der Banken verpflichtet, die Daten deiner Konten an zugelassene Anbieter weiterzugeben — und von diesen Anbietern Zahlungsaufträge anzunehmen, die du freigibst. Immer mit deiner ausdrücklichen Zustimmung. Alles andere folgt daraus.

Wolltest du früher die Konten von drei Banken an einer Stelle sehen, hattest du zwei Möglichkeiten: von Hand in eine Tabelle tippen oder deine Zugangsdaten an einen Dienst geben, der sich in deinem Namen einloggt. Das Erste war mühsam. Das Zweite war eine schlechte Idee. PSD2 hat einen dritten Weg geschaffen: Die Bank stellt die Daten über eine eigene Schnittstelle bereit, du gibst das in der Umgebung deiner Bank frei, und die App bekommt deine PIN nie zu sehen.

Online-Banking und Open Banking sind nicht dasselbe

Online-Banking ist der Ort, an dem du dein Konto verwaltest — in der Umgebung deiner Bank. Open Banking ist das, was einer anderen App, von dir ausgewählt, erlaubt, dieses Konto zu lesen oder von dort eine Zahlung anzustoßen. Der Unterschied liegt darin, wo du gerade sitzt: beim Online-Banking bei deiner Bank, beim Open Banking in einer App deiner Wahl — abgesichert durch dieselbe Anmeldung.

Und mit Girocard oder Wero hat es auch nichts zu tun

Die Girocard ist die Karte, mit der in Deutschland an der Ladenkasse bezahlt wird — rund 7,9 Milliarden Transaktionen waren es 2024, gut fünf Prozent mehr als im Jahr davor, etwa 90 Prozent davon kontaktlos (girocard, Jahreszahlen 2024). Wero, das Wallet der European Payments Initiative, verschiebt Geld zwischen Konten. Beide bewegen also Geld. Open Banking bewegt nichts: Es gibt einer App, die du auswählst, Zugang zu den Daten deines Kontos. Deine Girocard-Zahlungen und deine Wero-Überweisungen tauchen danach schlicht als Buchungen in deiner Übersicht auf.

Adam, Gründer von Martia

Warum dieses Thema

Ich hatte sechs Konten und null Überblick. Das war der ganze Anlass — der Rest dieses Artikels handelt von dem Gesetz, das dieses Problem löst.

PSD2 und das ZAG: das Gesetz hinter Open Banking

PSD2 (Payment Services Directive 2, die zweite europäische Zahlungsdiensterichtlinie) ist die Richtlinie (EU) 2015/2366 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. November 2015. Eine Richtlinie wirkt nicht von selbst: Jeder Mitgliedstaat setzt sie in nationales Recht um, und dort wacht die nationale Aufsicht darüber.

In Deutschland heißt dieses nationale Recht Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG), verkündet am 17. Juli 2017 und in Kraft seit dem 13. Januar 2018. Die Aufsicht über Zahlungsdienstleister liegt bei der BaFin — der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht — gemeinsam mit der Deutschen Bundesbank. Darüber steht die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA): Sie erarbeitet die technischen Standards und führt das zentrale europäische Register der zugelassenen Anbieter. Willst du wissen, ob eine App darf, was sie tut, sind das die beiden Listen, die zählen.

Zeitleiste — die drei Daten, auf die es ankommt

  • 25. November 2015 — die Europäische Union beschließt die Richtlinie (EU) 2015/2366.
  • 13. Januar 2018 — das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz tritt in Kraft. Ab hier hat der Zugriff zugelassener Anbieter auf Konten in Deutschland eine gesetzliche Grundlage.
  • 14. September 2019 — die technischen Standards greifen (Delegierte Verordnung (EU) 2018/389), inklusive der Pflicht zur starken Kundenauthentifizierung.

Was das Gesetz für dich geändert hat, auch ohne App

Der Betrag, den du bei einer nicht autorisierten Zahlung selbst trägst — etwa nach einer kopierten Karte — sank von 150 Euro auf 50 Euro, außer bei Betrug oder grober Fahrlässigkeit deinerseits. Und elektronische Zahlungen verlangen seither in der Regel zwei Faktoren. Das kam nicht von deiner Bank. Das kam von PSD2.

Open Banking in Deutschland, in Zahlen des Gesetzes

2015/2366die europäische Richtlinie, die Open Banking schuf
2018seit dem 13. Januar gilt das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz
90 Tageüblicher Abstand, in dem deine Zustimmung neu bestätigt wird
50 €dein Höchstbetrag bei nicht autorisierten Zahlungen (früher 150 €)

Quellen: EUR-Lex — Richtlinie (EU) 2015/2366, Gesetze im Internet — ZAG

Wer ist wer: deine Bank, der AISP und der PISP

Die PSD2 kennt drei Rollen. Wer sie auseinanderhält, weiß sofort, was eine App mit einem Konto kann — und was nicht.

ASPSP — deine eigene Bank

Der ASPSP ist das Institut, das dein Girokonto führt: Sparkasse, Volksbank, Deutsche Bank, Commerzbank, ING, DKB oder ein anderer Anbieter am deutschen Markt. PSD2 verpflichtet diese Bank, eine eigene Schnittstelle bereitzustellen, über die zugelassene Anbieter die Daten abrufen können — solange du zustimmst. Ablehnen darf die Bank das nicht, und dem anderen Anbieter etwas dafür berechnen ebenso wenig.

AISP — wer die Daten liest

Der AISP (Kontoinformationsdienst) liest Salden und Umsätze, sonst nichts. Das ist die Kategorie der Budget-Apps und Kontoübersichten: Lesezugriff, begrenzt auf das, was du freigegeben hast, mit einer Zustimmung, die regelmäßig neu bestätigt wird. Martia gehört hierher: Die Verbindung zu deiner Bank läuft über Enable Banking, unseren Open-Banking-Partner.

PISP — wer Zahlungen auslöst

Der PISP (Zahlungsauslösedienst) darf eine Überweisung von deinem Konto anstoßen — aber jeder einzelne Auftrag braucht deine Freigabe und starke Authentifizierung bei deiner Bank. Das ist die Technik hinter dem Bezahlen direkt vom Konto, an den Kartennetzen vorbei.

Mythos gegen Wirklichkeit

Mythos: „Wenn ich mein Konto mit einer App verbinde, kommt die App an mein Geld.“

Wirklichkeit: Nur ein Anbieter mit Erlaubnis zur Zahlungsauslösung (PISP) kann eine Überweisung starten, und selbst der braucht pro Auftrag deine Freigabe und starke Authentifizierung. Budget-Apps sind AISP: Lesezugriff. Technisch bringen sie keinen Cent in Bewegung, selbst wenn sie wollten.

Ist Open Banking sicher? Drei Schutzschichten

Die Sicherheit von Open Banking stützt sich nicht auf den Ruf einer App, sondern auf drei unabhängige Schichten: die Erlaubnispflicht, die starke Kundenauthentifizierung und die technische Begrenzung des Zugriffs.

Starke Kundenauthentifizierung (SCA)

PSD2 verlangt, dass deine Bank deine Identität mit mindestens zwei Elementen aus unabhängigen Kategorien feststellt:

  • etwas, das du weißt — Passwort, PIN, ein Code;
  • etwas, das du hast — dein Handy, die Banking-App, ein TAN-Generator;
  • etwas, das du bist — Fingerabdruck oder Gesichtserkennung.

Es ist dieselbe Prüfung, die du ohnehin machst, wenn du dich ins Online-Banking einloggst oder einen Online-Kauf bestätigst. Die technischen Anforderungen stehen in der Delegierten Verordnung (EU) 2018/389 und gelten seit dem 14. September 2019.

Das Ende des Screen Scraping

Vor PSD2 hieß „Konten zusammenführen“: Zugangsdaten an ein Unternehmen abgeben, das sich dann in deinem Namen einloggt. Das nannte sich Screen Scraping, und es gab keine einzige Regel dafür. PSD2 hat diese Methode durch eigene Schnittstellen ersetzt — und durch ein einfaches Prinzip: Deine PIN ist eine Sache zwischen dir und deiner Bank. Fragt dich heute eine App nach den Zugangsdaten fürs Online-Banking, schließe sie.

Open Banking gegen Screen Scraping

AspektOpen Banking (PSD2)Screen Scraping (alte Methode)
Deine ZugangsdatenGibst du der Bank, nie der AppGibst du einem Dritten
Umfang des ZugriffsLesen, begrenzt auf deine FreigabeAlles, was du selbst auch kannst
Rechtlicher RahmenPSD2, Aufsicht durch die BaFinKeiner
Zugriff beendenZustimmung widerrufen, sofort wirksamPasswort ändern und hoffen

Eine ehrliche Einschränkung: Keine Technik nimmt dir das Risiko ab, die falsche App zu wählen. Was PSD2 garantiert, ist die Erlaubnispflicht und der reine Lesezugriff. Der Rest — wer deine Daten speichert, wo und was damit passiert — bleibt deine Entscheidung. Und die triffst du besser, wenn du vor dem Klick auf „Zustimmen“ kurz nachliest. Wenn du vergleichst, hilft die Übersicht der Haushaltsbudget-Apps 2026.

Deine PIN bleibt, wo sie hingehört: bei deiner Bank

Mit Martia sprichst du auf Deutsch über dein Geld — die Zahlen dazu liest sie per Open Banking aus deinem Girokonto. Dafür meldest du dich in der offiziellen Umgebung deiner Bank an, und Martia bekommt nur Lesezugriff auf deine Umsätze. Sonst nichts.

Sprich mit Martia

Die Zustimmung: warum 90 Tage und wie du sie widerrufst

Die Zustimmung ist der Angelpunkt beim Open Banking: Ohne sie teilt deine Bank gar nichts. Und sie ist absichtlich befristet — die europäischen technischen Standards verlangen, dass der Zugriff in festen Abständen mit starker Authentifizierung neu bestätigt wird. Bei deutschen Banken sind das in der Praxis 90 Tage.

Diese Verlängerung fühlt sich an wie eine Störung in der App. Es ist genau umgekehrt: Sie verhindert, dass eine Freigabe von vor drei Jahren, längst vergessen, weiter jemanden mit deinen Umsätzen versorgt. Einmal im Quartal kurz bestätigen ist der Preis dafür, dass es keine ewigen Zugriffe gibt.

Mach eine Quartalsfrage daraus: Jedes Mal, wenn deine Bank um Bestätigung bittet, stellst du dir eine einzige Frage — nutze ich diese Verbindung noch? Wenn nicht, verlängerst du einfach nicht, und der Zugriff läuft von allein aus. Das ist die ganze Wartung, viermal im Jahr.

Zugriff widerrufen — zwei Wege

  • 1.In der App — dort, wo du deine verbundenen Konten verwaltest. Trennen muss möglich sein und sofort wirken.
  • 2.Bei deiner Bank — im Online-Banking oder in der Banking-App, meist unter erteilten Zustimmungen oder Zugriffen Dritter. Diesen Weg nimmst du, wenn die App schon vom Handy verschwunden ist.

Ein Widerruf stoppt den Zugriff auf neue Umsätze. Die bereits abgeholten Daten bleiben bei der App, bis du die Löschung verlangst — ein Recht, das dir die Datenschutz-Grundverordnung gibt und dem eine seriöse App ohne Diskussion nachkommt.

Die 90-Tage-Regel, in zwei Sätzen

Eine Lesezustimmung wird mit derselben Anmeldung erneuert, mit der du sie erteilt hast — bei deutschen Banken üblicherweise alle 90 Tage. Das ist keine Entscheidung der App, sondern folgt aus der Delegierten Verordnung (EU) 2018/389, die PSD2 in der ganzen Europäischen Union konkretisiert.

Welche deutschen Banken machen mit?

Alle. Jedes Institut, das in Deutschland online zugängliche Zahlungskonten führt, ist durch PSD2 verpflichtet, zugelassenen Anbietern Zugang zu gewähren — das ist keine Geschäftsentscheidung, und die Bank darf dafür nichts berechnen. In der Praxis heißt das Sparkassen, Volksbanken, Deutsche Bank, Commerzbank, ING, DKB und die übrigen Banken am deutschen Markt.

Was wir nicht wissen, sagen wir dazu: Die gesetzliche Pflicht ist für alle gleich, aber ob jede Bankschnittstelle gleich stabil läuft und gleich viel Historie herausgibt, können wir nicht belegen. Wir stellen hier bewusst keine Tabelle Bank für Bank auf, weil uns geprüfte Vergleichsdaten fehlen — und eine erfundene Tabelle wäre schlechter als gar keine. Der verlässliche Weg: Suche deine Bank in der Liste der App, die du nutzen willst.

Wie die Verbindung praktisch abläuft, steht in Girokonto mit einer App verbinden; wie dieselbe Pflicht im Rest Europas wirkt, erklärt unser englischsprachiger Text zu Open Banking bei europäischen Banken.

So sieht Open Banking auf deinem Kontoauszug aus

Open Banking erfindet keine neuen Buchungen: Es liefert genau die Zeilen, die auch auf deinem Kontoauszug stehen. Wer die deutschen Kürzel kennt, versteht sofort, was eine App sieht — und was sie daraus ableiten kann.

  • SVWZ+ — der eigentliche Verwendungszweck, der lesbare Teil der Buchung. Das ist das Feld, aus dem eine App den Händler und den Anlass herausliest.
  • EREF+ und KREF+ — die Ende-zu-Ende- und Kundenreferenz. Für dich Maschinenrauschen, für die Zuordnung nützlich.
  • MREF+ und CRED+ — die Mandatsreferenz und die Gläubiger-Identifikationsnummer einer Lastschrift, im Format DE00ZZZ00000000000. Der Gläubiger — Stromversorger, Versicherer, Fitnessstudio — ist die Gegenpartei, nicht deine Bank.
  • Dauerauftrag gegen Lastschrift — die Miete läuft typischerweise als Dauerauftrag, den du selbst anstößt (auf dem Auszug oft schlicht „MIETE“); Abos und Versicherungen werden per Lastschrift eingezogen.
  • IBAN — in Deutschland „DE“ plus 20 Ziffern, etwa DE00 0000 0000 0000 0000 00. Die alte Kombination aus Kontonummer und Bankleitzahl ist von den Auszügen weitgehend verschwunden.

Dieser Unterschied ist mehr als eine Fußnote. Die Mandatsreferenz einer Lastschrift ist der Grund, warum eine App wiederkehrende Kosten erkennt, ohne dass du etwas einträgst: Eine monatliche Lastschrift desselben Gläubigers ist ein Abo, auch wenn du längst vergessen hattest, dass du es hast. Genau darin liegt der Nutzen bei Abos, in die dein Geld versickert.

Eine Warnung noch, damit du nicht an dir zweifelst, wenn die Zuordnung mal danebenliegt: Auf dem Auszug steht oft nicht die Marke, sondern die Abrechnungsstelle. Ein über Klarna finanzierter Einkauf landet gern als schlichtes „KLARNA“, ohne den Namen des Händlers. Keine App löst das immer richtig — sie soll dir nur nicht erzählen, sie täte es.

giropay ist Geschichte, Wero ist der Nachfolger

Wenn du zu Open Banking recherchierst, stolperst du zwangsläufig über giropay und paydirekt — zwei Bezahlverfahren der deutschen Banken. Beide gibt es nicht mehr: paydirekt ging in der Marke giropay auf, und giropay wurde zum 31. Dezember 2024 eingestellt. Steht irgendwo noch, du sollst damit bezahlen, ist die Information veraltet.

Den Platz nimmt Wero ein, das Wallet der European Payments Initiative: in Deutschland seit Mitte 2024 im Einsatz, zuerst bei Sparkassen und Volksbanken, später bei Postbank und Deutscher Bank, zunächst für Zahlungen zwischen Privatpersonen und ab November 2025 auch im Online-Checkout.

Parallel dazu ist die Echtzeitüberweisung zur Pflicht geworden: Nach der EU-Verordnung 2024/886 müssen alle Zahlungsdienstleister im Euroraum seit dem 9. Januar 2025 Echtzeitüberweisungen empfangen und seit dem 9. Oktober 2025 auch senden können — inklusive Empfängerüberprüfung, also des Abgleichs von Name und IBAN, und zu keinem höheren Preis als eine normale Überweisung.

Was das Ende von giropay lehrt

Bezahlverfahren kommen und gehen — giropay verschwand zum 31. Dezember 2024, paydirekt schon vorher. Das Recht auf deine Kontodaten ist dagegen kein Produkt, das jemand abschalten kann: Es steht in einer europäischen Richtlinie und im deutschen Gesetz. Deshalb ist es klug, deinen Überblick nicht an ein einzelnes Bezahlverfahren zu hängen, sondern an das Konto selbst.

Was Open Banking dir praktisch bringt

Jenseits aller Regulierung löst Open Banking drei Alltagsprobleme. Keines davon ist für sich spektakulär; zusammen verändern sie dein Verhältnis zum eigenen Geld.

1. Alle Konten auf einem Bildschirm

Gehaltskonto bei der einen Bank, Tagesgeld bei der zweiten, Kreditkarte bei der dritten. Ohne Verbindung kostet die Frage „Wie viel habe ich eigentlich?“ drei Anmeldungen und eine Kopfrechnung — und deshalb schiebst du sie auf. Mit Open Banking ist es eine Übersicht, die sich selbst aktualisiert. Das ist auch die Basis für einen Notgroschen, dessen Stand du wirklich kennst.

2. Ausgaben, die sich selbst sortieren

Umsätze kommen mit dem Namen des Händlers herein und landen von allein in Kategorien — Edeka und Rewe bei Lebensmitteln, Aral beim Tanken, Telekom bei Telefon und Internet, Netflix bei Abos, die Deutsche Bahn bei Verkehr. Das ist der Unterschied zwischen „Diesen Monat war irgendwie viel weg“ und „380 Euro waren es fürs Essengehen“. So findest du heraus, wo dein Geld eigentlich bleibt, ohne Abende mit Kassenbons. Wie diese Sortierung technisch funktioniert, steht in unserem englischsprachigen Text zur automatischen Kategorisierung von Ausgaben.

Um welche Größenordnung es dabei geht: Der durchschnittliche deutsche Haushalt gab 2023 rund 3.030 Euro im Monat für den privaten Konsum aus (Statistisches Bundesamt, EVS 2023). Und gespart wird hierzulande reichlich — die Sparquote der privaten Haushalte lag 2024 bei 20,0 Prozent und war damit die höchste in der Europäischen Union (Eurostat, 2024). Am Sparwillen liegt es also nicht. Es liegt daran, dass die 3.030 Euro im Monat für die meisten eine einzige große Zahl sind statt zwanzig kleine, über die man entscheiden kann.

3. Null Handarbeit — und das entscheidet alles

Ein Budget, das du von Hand führst, scheitert selten am Verfahren. Es scheitert in Woche drei, wenn das Notieren jeder Ausgabe nicht mehr in den Tag passt. Open Banking nimmt dir genau diese Handarbeit ab — und damit die Hürde, an der die meisten aufgeben. Deshalb hält ein Haushaltsbudget, das an deiner Bank hängt, Monate durch, während eine Tabelle nach ein paar Wochen liegen bleibt. Und es beantwortet die Frage, an der viele hängen bleiben: warum das Sparen bei dir nicht klappt.

So verbindest du dein Girokonto per Open Banking

Das Verbinden läuft immer in derselben Form ab, egal welche App du wählst — denn diese Form gibt das Gesetz vor, nicht die App.

1.

Du wählst deine Bank in der App

Die Liste enthält die deutschen Institute, die unter PSD2 fallen — Sparkassen, Volksbanken, Deutsche Bank, Commerzbank, ING, DKB und die übrigen Anbieter.

2.

Du meldest dich bei deiner eigenen Bank an

Deine Zugangsdaten gehen an die Bank, nie an die App. Die starke Authentifizierung verlangt den üblichen zweiten Faktor: die Banking-App, eine TAN oder deinen Fingerabdruck.

3.

Du stimmst der Datenweitergabe zu

Die Bank fragt, ob Salden und Umsätze geteilt werden dürfen. Danach läuft die Aktualisierung von allein, bis du verlängerst oder widerrufst.

Fertig. Keine Formulare, keine Unterlagen einschicken, kein Warten auf eine Freigabe — denn wer deine Identität feststellt, ist deine eigene Bank, in genau diesem Moment. Schritt für Schritt steht das in Girokonto mit einer App verbinden.

Was du heute tun kannst

Melde dich in deinem Online-Banking an und suche die Seite mit den erteilten Zustimmungen oder Zugriffen Dritter. Schau nach, wer dort steht. Ist etwas dabei, das du nicht mehr nutzt, widerrufe es jetzt — das sind fünf Minuten, und es ist genau das Recht, um das es in diesem ganzen Artikel geht.

Martia — die KI, mit der du über dein Geld sprichst

Du fragst auf Deutsch — „Wie viel habe ich im Juli fürs Essengehen ausgegeben?“ oder „Welche Abos zahle ich noch?“ — und die Antwort kommt aus deinen eigenen Umsätzen, geholt per Open Banking. Keine Tabelle, kein Abtippen von Belegen.

Sprich mit Martia

Häufige Fragen

Was ist Open Banking?

Open Banking ist dein Recht, deiner Bank zu sagen, sie soll die Daten deines Girokontos an eine App weitergeben, die du dir selbst ausgesucht hast — oder sie soll von dieser App einen Zahlungsauftrag in deinem Namen annehmen. Grundlage ist die europäische PSD2-Richtlinie, die Richtlinie (EU) 2015/2366 vom 25. November 2015. In Deutschland ist sie im Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz umgesetzt, das seit dem 13. Januar 2018 gilt. In der Praxis heißt das: Konten bei verschiedenen Banken auf einem Bildschirm, Ausgaben, die sich von allein sortieren, und das alles, ohne irgendwem deine Zugangsdaten zu geben. Die Anmeldung läuft immer über die offizielle Umgebung deiner eigenen Bank.

Ist Open Banking sicher?

Ja, und die Sicherheit hängt nicht am guten Willen der App — sie steht im Gesetz. Es sind drei Schichten. Wer deine Kontodaten lesen will, braucht die Erlaubnis einer europäischen Aufsichtsbehörde; in Deutschland erteilt die BaFin diese Erlaubnis und beaufsichtigt die Anbieter. Das Verbinden verlangt starke Kundenauthentifizierung, also mindestens zwei unabhängige Faktoren, die deine eigene Bank prüft. Und eine App mit reinem Lesezugriff kann technisch nichts anderes als Salden und Umsätze abrufen: kein Geld überweisen, keine Limits ändern, keine Kontodaten anpassen. Die Zustimmung kannst du außerdem jederzeit widerrufen — in der App und bei deiner Bank.

Ist Open Banking in Deutschland legal?

Ja. Open Banking ist europäisch in der PSD2-Richtlinie geregelt und in Deutschland durch das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz vom 17. Juli 2017 umgesetzt, das am 13. Januar 2018 in Kraft getreten ist. Die Aufsicht über Zahlungsdienstleister führt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gemeinsam mit der Deutschen Bundesbank; sie erteilt die Erlaubnis und führt das nationale Register. Auf europäischer Ebene führt die Europäische Bankenaufsichtsbehörde ein zentrales Register aller zugelassenen Anbieter. Banken sind gesetzlich verpflichtet, zugelassenen Anbietern Zugang zu deinen Kontodaten zu geben, wenn du zugestimmt hast. Ablehnen dürfen sie nicht, und dem Anbieter etwas dafür berechnen auch nicht.

Was ist die PSD2-Richtlinie genau?

PSD2 ist die Richtlinie (EU) 2015/2366 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. November 2015 über Zahlungsdienste im Binnenmarkt, die Nachfolgerin der ersten Zahlungsdiensterichtlinie von 2007. Sie hat drei Ziele: Zahlungen über starke Kundenauthentifizierung sicherer machen, den Markt für Anbieter außerhalb der klassischen Bankenwelt öffnen und den Verbraucherschutz in der Europäischen Union angleichen. Sie hat außerdem den Betrag gesenkt, den du bei einer nicht autorisierten Zahlung selbst trägst: von 150 Euro auf 50 Euro, außer bei Betrug oder grober Fahrlässigkeit. Die technischen Anforderungen gelten seit dem 14. September 2019.

Was sieht eine Finanz-App von meinem Girokonto?

Genau das, wozu du Ja gesagt hast, und keinen Deut mehr: die Salden und die Umsätze der Konten, die du verbunden hast — Datum, Betrag, Verwendungszweck und Gegenpartei jeder Buchung. Deine PIN, dein Passwort und deine TAN sieht so eine App nicht. Konten, die du nicht verbunden hast, bleiben unsichtbar, und Geld bewegen kann die App nicht: Der Zugriff ist technisch aufs Lesen begrenzt, im Rahmen der Freigabe, die deine Bank ausstellt. Martia arbeitet genau so — sie liest deine Umsätze, um deine Fragen zu deinem Geld zu beantworten, und sonst nichts.

Wie widerrufe ich den Zugriff einer App auf mein Konto?

Jederzeit, über zwei voneinander unabhängige Wege. Der erste führt durch die App selbst, dorthin, wo du deine verbundenen Konten verwaltest: Trennen muss dort möglich sein. Der zweite führt zu deiner Bank, ins Online-Banking oder in die Banking-App, meist unter erteilten Zustimmungen oder Zugriffen Dritter. Diesen zweiten Weg nimmst du, wenn die App längst vom Handy verschwunden ist. Sobald du widerrufst, endet der Zugriff sofort und der Anbieter holt keine neuen Umsätze mehr ab. Verlange danach auch die Löschung der bereits abgeholten Daten — dieses Recht hast du nach der Datenschutz-Grundverordnung.

Warum gilt die Zustimmung nur 90 Tage?

Weil die europäischen Regeln eine regelmäßige Bestätigung verlangen. Die technischen Standards zur PSD2 — die Delegierte Verordnung (EU) 2018/389 — schreiben vor, dass der Zugriff eines Anbieters auf deine Kontodaten in festen Abständen erneut mit starker Authentifizierung bei deiner Bank bestätigt wird; in der Praxis sind das bei deutschen Banken 90 Tage. Das ist also kein Fehler der App und kein Zeichen, dass etwas schiefgelaufen ist. Es ist eine eingebaute Bremse, damit niemand jahrelang vergessenen Zugriff auf dein Girokonto behält. Einmal im Quartal schaust du kurz auf der Anmeldeseite deiner Bank vorbei und bestätigst, dass die Verbindung noch passt.

Was ist aus giropay geworden und was ist Wero?

giropay wurde zum 31. Dezember 2024 eingestellt; paydirekt war zuvor in der Marke aufgegangen und ist mit ihr verschwunden. Steht irgendwo noch, du sollst mit giropay bezahlen, ist die Information veraltet. Der von den Banken getragene Nachfolger heißt Wero, das Wallet der European Payments Initiative: in Deutschland seit Mitte 2024 im Einsatz, zuerst bei Sparkassen und Volksbanken, später bei Postbank und Deutscher Bank, zunächst für Zahlungen zwischen Privatpersonen und ab November 2025 auch im Online-Checkout. Wichtig für dieses Thema: Wero verschiebt Geld, Open Banking dagegen gibt eine Leseerlaubnis für Daten. Zwei verschiedene Dinge.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  • Europäisches Parlament und Rat (2015). Richtlinie (EU) 2015/2366 über Zahlungsdienste im Binnenmarkt (PSD2). eur-lex.europa.eu
  • Bundesministerium der Justiz (2017). Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) vom 17. Juli 2017, in Kraft seit 13. Januar 2018. gesetze-im-internet.de
  • Europäische Kommission (2018). Delegierte Verordnung (EU) 2018/389 — technische Regulierungsstandards für die starke Kundenauthentifizierung. eur-lex.europa.eu
  • Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA). Zentrales Register der Zahlungsdienstleister. euclid.eba.europa.eu
  • girocard (2025). Jahreszahlen 2024. girocard.eu
  • Deutsche Bundesbank. Fragen und Antworten zu Echtzeitüberweisungen und Empfängerüberprüfung (Verordnung (EU) 2024/886). bundesbank.de
  • Statistisches Bundesamt (2025). Private Konsumausgaben je Haushalt, Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2023. destatis.de
  • Eurostat (2025). Sparquote der privaten Haushalte, Sektorkonten 2024. ec.europa.eu

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